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Lutherstift in Falkenburg - Geschichte des Amtshauses

Die Geschichte der Gebäude des Lutherstiftes

Regionale Bedeutung bekam der Ort Falkenburg-Habbrügge erst nach dem Ende der französischen Besatzung 1813.

Der oldenburgische Herzog Peter Friedrich Ludwig kehrte aus seinem russischen Exil zurück und in einer Verwaltungsreform wurde die französische Gesetzgebung und Verwaltung nach und nach rückgängig gemacht. Im Zuge der Verwaltungsneuordnungen wurde 1824 der Verwaltungssitz für die Gemeinden Ganderkesee und Hude nach Falkenburg zum Verwaltungsmittelpunkt verlegt. Außerdem führte der alte Postweg, die jetzige Hauptstraße, direkt am neuen Amtshaus vorbei, was den Verkehr von Schriftstücken und Dienstpersonen zwischen Oldenburg und Falkenburg sehr erleichterte und beschleunigte.

Der Gesamtumfang des Bauvorhabens mit dem Amtshaus und den Nebengebäuden sollte nicht mehr als 8.000 Taler Gold betragen. Am 6.1.1824 erteilte die Regierung die Genehmigung. Sie gestattete einen Zuschuss von 2.000 Taler Gold für eine Schließerwohnung, ein Gefängnis und eine Registratur. Im Juli 1824 zahlt die Regierung Amtmann Bulling 1.000 Taler Gold für den Stall aus. Am 8.11.1824 war der Bau der Amtswohnung mit Nebengebäude vollendet. Der Amtseinnehmer und Assessor siedelten sich ebenfalls in Falkenburg an. Die Amtskasse rechnete wöchentlich mit dem Ministerium in Oldenburg ab. Der Amtsdiener fuhr das versiegelte Bargeld auf eine Schubkarre 25 km nach Oldenburg.

1857 wurde das Amt aufgehoben und mit der Neuorganisation des Gerichtswesens kam das Kirchspiel Ganderkesee zum Amt Delmenhorst.

Das Amtshaus mit den landwirtschaftlichen Nebengebäuden wurde verkauft und wechselte in den folgenden Jahrzehnten öfter den Besitzer. Am 22.5.1899 kaufte Friedrich Plate aus Delmenhorst das Anwesen als Landhaus. Friedrich Plate betrieb in Delmenhorst eine Korkenfabrikation.

Im Juli 1867 wurde die Eisenbahnstrecke Bremen - Oldenburg in Betrieb genommen und der Ausflugsverkehr von Bremen nahm in den Orten an der Bahnlinie stark zu, weil die Menschen aus der Stadt der Bewegung in freier Natur wieder mehr Bedeutung beimaßen. Die Turnerbewegung, die Jugendbewegung der Wandervögel und auch verschiedene Reformvereine gründeten sich im Deutschen Reich. Einer dieser Reformvereine, der "Verein für Gesundheitspflege" kaufte 1904 das Amtshaus mit allen Gebäuden und dem Park, um für seine Mitglieder ein Erholungshaus einzurichten. Es wird erzählt, dass zu dieser Anlage auch ein Luftbad gehörte. Dieses Luftbad bestand aus einer Wiese, die von einem hohen Bretterzaun umgeben war, damit die Besucher ihren Körper unbekleidet in der Luft "baden" konnten. Die Astlöcher in diesem Bretterzaun sollen besonders die Dorfjugend angezogen haben.

1932 wurde der Komplex an Karl Boehm aus Bremen verkauft, der hier eine Pension einrichtete, die wir heute wohl als "Senioren-Residenz" bezeichnen würden.

Am 11.10.1934 wurde das Amtshaus mit den dazu gehörenden Gebäuden und dem Park an Johann Hermann Hagestedt weiterverkauft. Herr Hagestedt stammte aus Falkenburg, war in jungen Jahren als Kaufmann nach Peru ausgewandert und hatte dort ein großes Handelshaus aufgebaut. Er kam 1934 nach Deutschland zurück, wohl auch, weil seine Kinder in der Heimat aufwachsen sollten. Er war weiterhin als Geschäftsmann tätig, betrieb aber nebenbei etwas Landwirtschaft und widmete sich besonders der Pflege und Neugestaltung des Parks.

In dieser Zeit ist vom Amtshaus auch als dem "Lindenhof" die Rede, weil die zwei Linden vor dem Amtshaus, die wohl in der Zeit der Erbauung des Hauses gepflanzt worden sind, zu stattlichen Bäumen herangewachsen waren. In der Kriegszeit beherbergte die Familie viele Flüchtlinge. Im Amtshaus praktizierte zeitweise auch der Landarzt des Dorfes. 1956 verstarb Johann Hermann Hagestedt und im Jahr 1958 wurde das Amtshaus von der ev.-luth. Landekirche Hannovers übernommen und der damaligen Bruderschaft Lutherstift übergeben.

Die Mitglieder der damaligen Bruderschaft bauten die historischen Gebäude häufig in Eigenleistung aus. So wurde aus einem Schweinestall die heutige Laurentiuskapelle, welche quasi das geistliche Zentrum des Diakoniekonventes bildet. Zum Zwecke der Ausbildung von Diakonen und zur Beherbergung von Konfirmandengruppen wurde Anfang der 1960er Jahre das Gästehaus errichtet.
Im Haus Hauptstr. 32 wurde seit den 1950er Jahren ein Lehrlingsheim in Trägerschaft des Wichernstiftes Elmeloh betrieben, welches lange Zeit von Diakonen geführt wurde. 1981 errichtet der Diakoniekonvent hier das Laurentiushaus Falkenburg, eine Bildungseinrichtung für behinderte Menschen. 1996 und 2005 erweiterte der Diakoniekonvent seinen Gebäudebestand um Häuser am östlichen Rand des Geländes sowie um das Haus Hasbruchstr. 6. Hier wohnen Konventsmitglieder, die aktiv das geistliche Leben auf dem Lutherstiftgelände mitgestalten. Seit 2005 bildet der Konventsladen mit Bücherstube, Eine-Welt-Angeboten und Ausstellungen ein „Schaufenster“ des Lutherstiftes in Falkenburg.

Mit dem Betrieb als Bildungsstätte erfolgte ab 1975 die Renovierung und der Ausbau der Zimmer und Tagungsräume mit entsprechendem Standard. Letzte Baumaßnahme war die Errichtung eines Anbaus am Gästehaus mit Aufzuganlage und 18 Zimmern mit Dusche und WC. Ebenso findet sich auf dem Gelände auch ein PC-Schulungsraum mit 10 Pentium PC-Schulungsarbeitsplätzen und einem Pentium PC-Dozentenarbeitsplatz und ein Pflegelabor zur praktischen Unterweisung von Pflegekräften.

Die Fachwerkgebäude im Nordteil des Lutherstift-Geländes Bibelscheune, Schafstall und Veranstaltungsscheune standen ursprünglich in Steinkimmen, wenige Kilometer westlich von Falkenburg gelegen. Der langjährige Haus- und Gartenmeister Horst Butz, ein ausgebildeter Polier, hat es vorzüglich verstanden diese Gebäude in das Lutherstiftgelände zu integrieren und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. In Zusammenarbeit mit dem Wildeshauser Diakon und Künstler Hartmut Berlinicke hat Horst Butz zwei dekorative Wände zu biblischen Themen in Tagungsräumen gestaltet. So beeindruckt im Flett eine Wand zum Thema „Den Baustein, den die Bauleute verworfen habe“ und in der Veranstaltungsscheune eine Wand zum Thema „Hochzeit zu Kanaan“ die Besucherinnen und Besucher.

Nach getaner Arbeit Entspannung bieten die Park- und Gartenanlagen mit biblischem Bauerngarten und Gartenlabyrinth, eine Sauna und Leihfahrräder für Erkundungen in die Wildeshauser Geest oder in das nahegelegene Erholungsgebiet "Hasbruch".


 

 

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